CHRIST WERDEN, KIRCHE LEBEN, WELT GESTALTEN

Zum Selbstverständnis des Gesprächskreises
Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen in Deutschland
innerhalb der katholischen Kirche

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„Christ werden, Kirche leben, Welt gestalten“ – unter diesem Titel legen wir, der Gesprächskreis Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen in Deutschland, ein Schreiben vor, in dem wir in knapper Form und gemeinsamer Perspektive unser Selbstver-ständnis zum Ausdruck bringen.
Der Text verdeutlicht Gemeinsamkeiten und Anliegen der ver-schiedenen Gemeinschaften und Bewegungen. Er ist Ergebnis eines intensiven Dialogs und dient der Vergewisserung nach innen.
Damit wenden wir uns an alle Verantwortlichen in der Deutschen Bischofskonferenz, im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und in den diözesanen Ordinariaten/Generalvikariaten, an die Beauftragten, die für die Begleitung geistlicher Gruppen verantwort-lich sind, sowie an alle Christinnen und Christen, die im Kontakt mit Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen stehen und mit ihnen zusammen wirken.
Vallendar-Schönstatt, 12. März 2005
Der Gesprächskreis Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen

1. Geschichtliche Entwicklung

Der Gesprächskreis Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen trifft sich regelmäßig zweimal im Jahr.

Die Vorgeschichte begann mit der Würzburger Synode. Erstmals wurde der Gedanke an eine Gesprächsmöglichkeit für Geistliche Bewegungen geäußert, ähnlich wie für Orden und Säkularinstitute. Wegbereitend wurde der Freiburger Katholikentag (1978). Thematisierten die Katholikentage bis zum Konzil vor allem die Weltverantwortung der Laien und danach auch Fragen kirchlicher Erneuerung, so wurde seit Freiburg mehr Orientierung im Glauben und Glaubensgemeinschaft gesucht. Im ersten Geistlichen Zentrum beim Freiburger Katholikentag wirkten Geistliche Gemeinschaften aktiv mit und brachten eine mehr spirituelle und evangelisierende Note ein.

Die Geschichte des Gesprächskreises begann im Vorfeld des Aachener Katholikentages mit seinem Themenschwerpunkt Geistliche Gemeinschaften. Im Frühjahr 1985 lud der Aachener Bischof Dr. Klaus Hemmerle, damals geistlicher Assistent des ZdK, Vertreter von fünfzehn Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen zu einem Vorbereitungstreffen ein. Im November 1986 trafen sich aufgrund einer Eigeninitiative Leiter von zehn Gemeinschaften und Bewegungen in Schönstatt/Vallendar und beschlossen regelmäßige Treffen.

In der ersten Wegetappe ging es um gegenseitiges Kennenlernen. Im Herbst 1987 waren Vertreter des Kreises zu einem Studientag der Deutschen Bischofskonferenz über „Neue Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen“ eingeladen. Es ging um das Kennenlernen und den Dienst der Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen in der Ortskirche. Ab 1988 begann der Dialog mit Verbänden, Orden und Sachverständigen aus der Theologie in einem ständigen Arbeitskreis beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Die intensiven Reflexionen wurden 1994 abgeschlossen im Gesprächskreis mit der Erstfassung eines Papiers über sein Selbstverständnis: „Christ werden – Kirche leben – Welt gestalten". Der ständige Arbeitskreis verfasste ein Arbeitspapier „Miteinander unterwegs", das vom ZdK als Dokument 1995 veröffentlicht wurde. Es dient der Information über Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen und der wechselseitigen Ergänzung und Be-fruchtung mit Gemeinden und Verbänden für die Ortskirche. Von Anfang an waren ständige Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und zeitweilig auch aus dem ZdK hilfreiche Begleiter. Seit 1992 gibt es einen bischöflichen Beauftragten für die Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen in der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, der in regelmäßigen Abständen die Begegnung mit dem Gesprächskreis wahrnimmt und geistliche Impulse vermittelt.

Eine weitere Wegetappe bahnte sich parallel dazu an und führte sowohl nach innen wie nach außen. Starke Impulse dazu waren „Evangelii Nuntiandi“, das Dokument zur Neuevangelisierung der Welt, und der Weg der Kirche auf die Jahrtausendwende zu. Gesellschaftliche und politische Ereignisse, wie z.B. der Fall der Berliner Mauer 1989, haben im Gesprächskreis neue Formen eines geistlichen Austausches wachsen lassen. Katholikentage boten ein Forum, diese Neuaufbrüche miteinander öffentlich präsent zu machen. In Berlin (1990) stellten sich die im Gesprächskreis vertretenen Gemeinschaften und Bewegungen erstmals an einem gemeinsamen Stand und mit gemeinsamem Faltblatt dar. Auf den Katholikentagen in Mainz (1998) und in Hamburg (2000) wurden durch Podiumsgespräche ihre neuen Wege als Impulse zur Verlebendigung der Kirche vorgestellt.
Der „Weltkongress der kirchlichen Bewegungen“ Pfingsten 1998 in Rom war international ein Aufbruch zur Gemeinsamkeit auch in unserem Land.

2. Zusammensetzung

Heute (März 2005) gehören diesem Kreis maximal zwei Delegierte aus den folgenden Gemeinschaften und Bewegungen an:

Alle diese Gemeinschaften und Bewegungen sind Geschenke des Heiligen Geistes für Kirche und Welt heute und zugleich Antwort auf die Bedürfnisse unserer Zeit. Wir erleben uns in unserer Vielfältigkeit und in unseren Gemeinsamkeiten, die wir in diesem Dokument zu unserem Selbstverständnis formulieren.
Der bischöfliche Beauftragte der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz, ein Vertreter des Bereichs Pastoral im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und ein Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken werden zu den Treffen des Gesprächskreises eingeladen. Der Gesprächskreis steht im Kontakt mit der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz und ist durch Verantwortliche der Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen vertreten in der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands, einem Zusammenschluss der katholischen Verbände, Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen und der Sach- und Berufsverbände innerhalb des ZdK.
Kriterien, die aus dem gemeinsamen Verständnis erwachsen sind, helfen, über unseren Standort in der Kirche von Deutschland und in ihren Gemeinden immer wieder nachzudenken. Sie stellen den Maßstab dar, an dem wir unsere Arbeit messen lassen, und sind uns Ansporn und Herausforderung. Sie geben aber auch anderen Gruppierungen, die sich diesem Kreis anschließen möchten, die Möglichkeit, sich gegebenenfalls damit zu identifizieren.

3. Ziele und Aufgaben

Zu den Zielen und Aufgaben gehören

Der Gesprächskreis Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen versteht sich als Austauschforum, nicht als Aktionskreis, Entscheidungsgremium oder Dachorganisation.
Die Vorbereitung und Moderation der Treffen übernimmt ein Koordinationsteam, das für zwei Jahre gewählt wird.

Wesentliche Elemente der Treffen sind

4. Gemeinsame Merkmale
4.1. Glaube an Gottes Wirken

Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen verdanken ihren Aufbruch dem Glauben an Gottes erfahrbares Wirken, und zwar in der Geschichte bis heute wie auch im persönlichen Leben. Dieser Glaube prägt das Selbstverständnis des Einzelnen, seiner Gemeinschaft und des Gesprächskreises.

4.2. Charisma des Ursprungs

Allen Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen ist gemeinsam, dass sie nicht aus gezielter Planung hervorgegangen sind, sondern aus einer Vision, einer Begegnung oder einem geistlichen Impuls. Oft gibt es eine herausragende Gründungsperson oder -gruppe, die die Gemeinschaft besonders prägt. Insofern sind theologische, soziologische und kirchenrechtliche Beschreibungen nachträgliche Versuche, das Neue einer solchen Bewegung zu fassen.

4.3. Glaubenserfahrung und Glaubenszeugnis

Der Glaube wird als Weg erfahrbar, das Handeln Gottes im eigenen Leben und in unserer Zeit zu entdecken. Im Gespräch werden diese Erfahrungen ausgetauscht. Dadurch wird der Glaube gestärkt. Zugleich wächst der Mut, den Glauben nach außen zu bezeugen, z.B. im Gespräch in der Familie, unter Bekannten, am Arbeitsplatz, in der Mitarbeit in der Ortskirche und allgemein im gesellschaftlichen Umfeld und öffentlichen Leben.

4.4. Zugehörigkeit zur Gemeinschaft

Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft oder Bewegung beruht auf einer freien Entscheidung. Die Angehörigen der Gemeinschaften und Bewegungen leben ihren Glauben gemeinsam. Sie kennen unterschiedliche Stufen der Zugehörigkeit, die von verschiedener Verbindlichkeit sind. Diese Verbindlichkeit reicht von einer freien Zugehörigkeit bis zu Versprechen, Weihen oder Gelübden.

4.5. Einheit vor Differenzierungen

Die Einheit und Geschwisterlichkeit aller Gemeinschaften in der Zugehörigkeit zum Volk Gottes ist die Grundlage des Miteinanders: Erwachsene und Jugendliche, Frauen und Männer, Priester und Laien, Verheiratete und Alleinstehende, zum Teil auch Ordensfrauen und -männer können zusammenfinden und sich eins wissen. Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen sind in diesem Sinne Gemeinschaften von Gläubigen (Christifideles), in denen die grundlegende Einheit und die Verschiedenheit von Charismen, Diensten, Ämtern und Ständen Früchte trägt.

4.6. Kirchlichkeit

Alle Bewegungen und Gemeinschaften gehören zur Kirche. Die Anerkennung von Seiten der kirchlichen Autorität ist wichtig und erforderlich. Sie wurde manchen Gemeinschaften erst nach einer leidvollen Phase der Prüfung gewährt.
Treue zum eigenen Charisma und Treue zum kirchlichen Leitungsamt sind die Grundlage für Erneuerungsimpulse, die sie in die Kirche einbringen. Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen haben nicht immer klar definierbare Grenzen. Sie zielen auf Evangelisierung, Erneuerung und Vertiefung des Glaubens. Sie verstehen sich als Ferment der Verlebendigung der Kirche und der Gesellschaft.

4.7. Ökumene

Die Einheit aller Christen ist ein wesentliches Element des glaubwürdigen Zeugnisses der ganzen Christenheit. Einheit ist den Gemeinschaften ein zentrales Anliegen; die Verwirklichung dieses Engagements ist sehr unterschiedlich. Sie reicht bis hin zur Mitgliedschaft von Christen verschiedener Konfessionen in einer Gemeinschaft.
In den vielfältigen Arten des Miteinanders wachsen unterschiedliche Strukturen eines Lebens in Einheit und Verschiedenheit. Sie kristallisieren sich aus dem heraus, was der Geist Gottes bereits in einzelnen Personen oder Gruppen gewirkt hat. Dieser Prozess wird auch von den betroffenen Kirchen begleitet und geprüft. Die ökumenischen Erfahrungen der Bewegungen sind wichtige Impulse für das ökumenische Zusammensein der Kirchen.

4.8. Glaube als ständige Neuorientierung

Alle Gemeinschaften und Bewegungen leben aus dem Bewusstsein, dass christlicher Glaube nur in immer wieder erneuerter persönlicher Hinwendung zu Jesus Christus gelingen kann. Diese Überzeugung konkretisiert sich im Leben der Gemeinschaft. Sie findet Ausdruck in der Bereitschaft, im anderen Menschen Christus zu begegnen, im Gebet, in Schriftlesung, Betrachtung, Meditation und im Empfang der Sakramente. Sie wird getragen von der Gewissheit, schon von Anbeginn von Gott geliebt zu sein und vor seinem Angesicht zu leben.
In Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen sind eigene Methoden gewachsen, die den Schritten christlichen Glaubens Raum und Hilfe geben: Einführungskurse, persönliche Anleitungszeit, Seminare, Tagungen und Treffen, Exerzitien, geistliche Begleitung, Revision de Vie (Lebensbetrachtung), caritatives Handeln.

5. Unterschiedliche Ausprägungen

In allen Gemeinschaften und Bewegungen geht es um die authentische Einheit von Glauben und Leben. Alle leben in persönlicher Beziehung auf Christus hin und sind durch Taufe und Firmung lebendige Glieder (Bausteine) der Kirche. Diese gemeinsame Basis wird in den einzelnen Gemeinschaften und Bewegungen auf je eigene Weise gelebt, z.B.

6. Geistliche Gemeinschaften – Bewegungen

Bei der lebendigen Vielfalt Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen ist jede Systematisierung schwierig und riskiert, an wesentlichen Gegebenheiten vorbeizugehen. Eine mehr äußere Unterteilung spricht von älteren und neueren, von größeren und kleinen, von mehr oder weniger organisierten Gemeinschaften. Zutreffender ist eine Unterscheidung in Geistliche Gemeinschaften einerseits und Bewegungen andererseits. Einige geistliche Aufbrüche verstehen sich nach den folgenden Definitionen sowohl als Geistliche Gemeinschaft wie auch als Bewegung.

6.1 Geistliche Gemeinschaften

Ihre Mitglieder antworten auf den allgemeinen Ruf Gottes durch eine Bindung an eine Gemeinschaft. Sie sprechen von einer Berufung zu einer eigenen, speziellen Weise christlichen Lebens. In den einzelnen Gemeinschaften gibt es unterschiedliche Formen der Mitgliedschaft, die teils in einem Gelübde, einem Versprechen oder einer offenen Zugehörigkeit bestehen.
Die Gemeinschaften ermöglichen ihren Mitgliedern eine vertiefte religiöse Formung, die fruchtbar für das eigene Leben, für Kirche und Gesellschaft werden soll. Sie geben Zeugnis für die Vielfalt und den Reichtum christlicher Spiritualität.

6.2 Bewegungen

Wesentliches Element von Bewegungen ist die Erfahrung von Gemeinschaft, die ohne formale Mitgliedschaft gelebt wird. Ihre Veranstaltungen stehen jedem offen. Es entstehen Beziehungen und Bindungen, die dem Wachstum des Einzelnen dienen. Die meisten Bewegungen haben zudem eine innere Kerngemeinschaft, die sie trägt.

6.3. Zuordnung und Unterscheidung

Eine verbindliche Mitgliedschaft in verschiedenen Geistlichen Gemeinschaften ist in der Regel nicht möglich. Ein und dieselbe Person kann verschiedenen Bewegungen angehören und dazu auch noch Mitglied einer Geistlichen Gemeinschaft sein.
Diese Unterscheidungen sollen den Reichtum und die Vielfalt in der Kirche ins Licht rücken. Alle Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen, Verbände, Orden, Kongregationen und Säkularinstitute dienen der Verlebendigung und Einheit der Kirche.

7. Kontaktadressen Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen

Link-Liste außerhalb der Verantwortung des Gesprächskreises:
www.geistliche-gemeinschaften.de

Herausgeber:
Gesprächskreis Geistlicher Gemeinschaften und Bewegungen in Deutschland innerhalb der katholischen Kirche

Bezugsadresse:
Franz-Adolf Kleinrahm, Familien mit Christus, Heiligenbrunn, 84098 Hohenthann, Tel. 08784-278, Fax 08784-771, E-Mail: Kleinrahm@FamilienMitChristus.de

Familien mit Christus, Heiligenbrunn, D-84098 Hohenthann, Tel. 08784-278, Fax 08784-771, info@familienmitchristus.de
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