Franz-Adolf Kleinrahm

Wie auf christliche Ehe vorbereiten?

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Ich heirate sie, weil ich sie liebe. Diese Aussage vor der Eheschließung ist, was eine psychologische Untersuchung herausbrachte, nur für drei Prozent der zur Ehe Entschlossenen gültig. 97 Prozent heiraten, weil sie geliebt werden wollen und meinen, daß eben dieser Mensch dies leisten könne. Eine immense Erwartung lastet auf den Partnern, nämlich den anderen glücklich machen zu müssen. Eine Überforderung, die bereits im dritten bis fünften Ehejahr zu einer ersten Scheidungsspitze führt. 
Schon lange ist für Brautleute der Halt der Umgebung schwächer geworden und mancherorts ganz weggefallen: Verwandtschaft, Siedlungseinheit, Wirtschaftsgruppe, politische Ordnung. Um so größer ist die Möglichkeit, aus persönlicher, freier Entscheidung heraus, sich einem anderen "anzuhangen". Die biblische Reihenfolge „Vater und Mutter verlassen, sich an einen Partner binden, ein Fleisch sein“ (vgl. Mt 19,5; Gen 2,24) wird heute meist umgekehrt gelebt. Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Köln, 1996) belegt, daß viele Reifungsstufen zu einer ganzheitlichen Partnerschaft übersprungen werden: bei den 17Jährigen haben bereits über 60 Prozent Koituserfahrung und 72 Prozent der Eltern von 14-17jährigen Mädchen haben nichts dagegen, wenn ihre Tochter Sex hat. Rund 80 Prozent aller jungen Paare, die kirchlich heiraten wollen, leben vorher schon zusammen. Immer mehr Eheleute verzichten auf Kinder, weil die damit verbundenen finanziellen Belastungen zu hoch sind (laut Bundesfamilienministerium pro Kind und Lebensjahr mehr als DM 8000,-). 
"Je mehr es durch die Umwelt erschwert wird, die Wahrheit über das christliche Sakrament, ja über die Ehe selbst zu erfassen, desto größere Bemühungen sind notwendig, um die Brautleute auf ihre Verantwortung angemessen vorzubereiten." Dieses Wort von Papst Johannes Paul II. stammt aus dem vom Päpstlichen Rat für die Familie 1996 herausgegebenen Dokument zur Ehevorbereitung1. Die nachfolgend im Text genannten Nummern beziehen sich auf diese Orientierungshilfe, die für die Bischofskonferenzen verfaßt wurde (Nr. 3). Diese Hilfe hat sich die Beiträge vieler Apostolischer Bewegungen, Gruppen und Vereinigungen, die in der Familienpastoral zusammenarbeiten, zunutze gemacht. Ich beziehe sie in die Darstellung meiner eigenen Erfahrungen in der Ehevorbereitung ein.

Christliche Familie: Frucht einer Jüngerschule

Die Ehevorbereitung in unserem Land entspricht kaum den Notwendigkeiten zur Vorbereitung gelingender Ehe. Das beweisen die Scheidungsstatistiken. Der kirchliche Beitrag dazu mit meist einem Tag, Brautleutetag, ist äußerst gering. In der Eheseelsorge sehen wir allzu oft, wie sehr in der Ehe gerungen wird um Verhaltensweisen und Haltungen, die bereits im Vorfeld hätten geregelt werden sollen. Das Menschsein leidet. Es sind auch psychologische und/oder affektive Mängel, z.B. die Unfähigkeit, sich auf andere hin zu öffnen, sowie die Formen von Egoismus, die die Fähigkeit zur Ganzhingabe zunichte machen können. Die Verantwortlichen werden ermutigt, sich um eine gründliche Gewissensbildung der Verlobten zu sorgen, damit diese auf die freie und endgültige Entscheidung zur Ehe vorbereitet sind (vgl. Nr. 36). Ziel ist eine Feier der Trauung, die "gültig, würdig und fruchtbar vollzogen wird" (Nr. 53).
Doch die Chancen, die in einer sach- und personengerechten Ehevorbereitung liegen, werden weder von der Mehrheit der Paare angefragt noch mit Nachdruck angeboten. Es wird aus dem Apostolischen Schreiben von Johannes Paul II. über die Aufgaben der christlichen Familie (Familiaris consortio, 1981) der Arbeitsauftrag zu dem Dokument von 1996 zitiert: "Die Kirche muß bessere und intensivere Programme zur Ehevorbereitung entwickeln und fördern, um die Schwierigkeiten möglichst zu beseitigen, mit denen so viele Ehen zu ringen haben, vor allem aber auch, um die Bildung und das Heranreifen von geglückten Ehen positiv zu unterstützen" (Nr. 14). 
Es geht um einen Weg, den Brautleute gehen können. Der Zusammenhang von Heil bzw. Unheil in der einzelnen Lebensgeschichte und der gemeinsamen Paargeschichte soll klarer erkannt und durch menschliches Mühen gebessert und durch Gottes Zuwendung geheilt werden. Brautpaare sind eingeladen, auf Gott zuzugehen, und zugleich wächst zwischen ihnen das Geheimnis Gottes, inkarniert sich Gottes guter Familiengeist, der Heilige Geist. 
Können wir, wenn wir vielleicht schon viele Jahre verheiratet sind, sagen, daß in unserer Ehe dieses Geheimnis Gottes anwesend ist? Ist unsere Ehebeziehung bereits von der Frohbotschaft geprägt oder kann sie noch mehr vom Evangelium durchdrungen, evangelisiert werden? 
Brautpaaren empfehle ich, die Kursangebote für Paare zu prüfen und sich ihren eigenen "Lehrplan" zusammenzustellen. Es gibt auch ein umfangreiches Buchangebot für die Brautzeit.

Herzensbekehrung

Geradezu notwendig ist auf diesem Weg das Angebot unserer Kirche, sich in der Zeit der Verlobung, besser noch davor zur Zeit der "Brautschau", das eigene Leben - vielleicht erstmals - in persönlicher Weise Gott anzuvertrauen, z.B. in der persönlichen Erneuerung des Taufversprechens (siehe Gotteslob Nr. 50). Dieser Vertrauensschritt wird dann in der Hochzeit ausgeweitet auf den Partner hin und gemeinsam vertieft auf Gott hin. Christliche Ehe ist ein Weg, auf dem die Vorahnung der ewigen Freude im Reich Gottes empfangen werden kann. Gott gibt in dieses eheliche Wir seinen helfenden Beistand, den Hl. Geist, wenn wir als Ehepaar uns diesem öffnen. Ehe ist (wie Ehelosigkeit um der Person Christi willen) ein Weg zu einem erfüllten Leben, eben glücklich zu werden. Die Zärtlichkeit Gottes ist Anfang und Ende aller ehelichen Liebe. Grundvoraussetzung für das Leben dieses Geheimnisses ist die radikale Herzensbekehrung, eine Grundentscheidung für den lebendigen Gott.

Drei Stufen der Vorbereitung

Das hier vorgestellte Dokument stellt die Verlobung "in den Kontext eines intensiven Evangelisierungsprozesses. ... Die Vorbereitung auf die Trauung ist ein Kairos, das heißt eine Zeit, in der Gott zu den Verlobten spricht und in ihnen die Berufung zur Ehe und zu dem damit verbundenen Leben weckt." (Nr. 2) Es wäre eine Ehevorbereitung wie in einem Katechumenat. Dies zu tragen wäre Aufgabe einer lebendigen Gemeinde, in denen die Gläubigen in Gruppen gemeinsam den Weg der Nachfolge Christi suchen.2
Es geht um drei Stufen oder Zeiten der Vorbereitung.

  1. Die entferntere Vorbereitung hat ihren Ort vor allem in der Familie. Hier geht es darum, die Grundlagen zu legen für ein richtiges Urteil, für eine immer bessere Aneignung der Hierarchie der Werte (Nr. 26). Ein weiteres Ziel ist die "Einführung in die erzieherische Sendung durch die eigenen Eltern. Denn der von den christlichen Hausgemeinschaften bezeugte christliche Lebensstil ist bereits eine Evangelisierung" (Nr. 28). Hierhin gehört auch die Vermittlung von Entscheidungshilfen zur Partnerwahl.
  2. Die nähere Vorbereitung ab der Verlobung zielt hin auf eine "klare Erkenntnis der Wesensmerkmale der christlichen Ehe: Einheit, Treue, Unauflöslichkeit, Fruchtbarkeit" (Nr. 45). Die Brautleute sollen als Glaubende verstehen, daß sie als Spender des Sakraments mit der Liebe Christi verbunden sind. Der zeitliche Umfang dieser Vorbereitung wird (allerdings nur in einer Anmerkung) konkret genannt: "Es wären zum Beispiel dafür wenigstens eine Woche oder vier Wochenenden (vier volle Samstage und Sonntage) oder ein Jahr lang ein Nachmittag pro Monat notwendig" (Nr. 48).
  3. In der unmittelbaren Vorbereitung in Ehevorbereitungsseminaren, "speziellen und intensiven Treffen" sollen folgende Ziele (Nr. 50) angestrebt werden:
Zwei Kursbeispiele

Im Rahmen der Angebote des Geistlichen Familienzentrums "Familien mit Christus", in dem ich lebe und wirke, sind hier zwei Wochenenden zu nennen. 
Für Jugendliche ab 15 und junge Erwachsene bieten wir "Sons and Daughters Encounter" (SADE3) an: Ein Wochenende der Begegnung mit sich selber und der inneren Auseinandersetzung mit den Personen der Herkunftsfamilie (Eltern, Geschwister, Großeltern). Ein Ziel ist, biblisch ausgedrückt, in rechter Weise Vater und Mutter ehren und verlassen, um dann gegebenenfalls auf Brautschau zu gehen. Die Reihenfolge der biblischen Lebensordnung (Gen 2,24) ist wichtig: Die Eltern verlassen (als öffentlicher Akt), einander anhangen (in Treue eine neue Lebenseinheit bilden), ein Fleisch werden (der biblische Ausdruck für sexuelle Gemeinschaft in der Ehe).
Für Paare bieten wir neben dem Brautleutetag (für Interessierte aus dem Dekanat) ein Brautleutewochenende an. Es geht in beiden Angeboten um die Gestaltung des Lebens aus der Beziehung zu Jesus Christus, die in der Taufe grundgelegt ist. Thema: Wer ist Gott für Dich? Dann geht es um die Annahme der eigenen Lebensgeschichte: Liebe Dich selbst! Fragen der Kommunikation werden mit Sketschen als "Eisbrecher" am Anfang behandelt, am Ende steht meist: Eheliche Sexualität, ein guter Gedanke Gottes. Die Theologie der Ehe und die Gestaltung der kirchlichen Eheschließungsfeier sind weitere Themen.
Es tut bei diesen Tagen gut, abschließend Texte aus der Feier der kirchlichen Verlobung und der Trauungsliturgie zu hören. Wir laden immer ein, diese nicht nur mit dem Verstand zu registrieren, sondern auch mit dem Herzen aufzunehmen.

Verlobungssegen

Die Verlobung ist der Ausdruck des festen Willens zweier Menschen, miteinander die Ehe einzugehen. Die Bekundung dieser Absicht ist so bedeutsam, daß eine religiöse Gestaltung der Verlobungsfeier sinnvoll ist. Die Feier wird von einem Elternteil oder Diakon/Priester geleitet.
"Gepriesen bist du, Herr, unser Gott! Alles, was du geschaffen hast, ist gut. Wir loben dich. Wir preisen dich. Du hast dem Menschen deine Schöpfung anvertraut. Wir loben dich. Wir preisen dich. Du hast Mann und Frau füreinander bestimmt. Wir loben dich. Wir preisen dich.
Gott, unser Vater, unser Leben liegt in deiner Hand. Wir gehören dir, du läßt uns nicht allein. So braucht uns nicht bange zu sein vor der Zukunft. 
Wir bitten dich um deinen Segen für diese Verlobten. Sende ihnen dein Licht, damit sie klar erkennen, daß du sie füreinander bestimmt hast. Hilf ihnen, den Weg ihres Lebens gemeinsam zu gehen. Halte deine schützende Hand über die beiden, daß sie in ehrfürchtiger Liebe und Verantwortung diese Zeit der Vorbereitung auf die Ehe leben. Laß sie im Glauben an dich und in gegenseitigem Vertrauen immer besser zueinander finden.
Zeige diesen Verlobten den Weg, den du sie führen willst. Sei mit ihnen in guten und in schweren Tagen. Vollende, was du in ihnen begonnen hast, und laß ihre Liebe zueinander wachsen. Laß ihre Liebe ein Zeichen für andere sein.
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus.
Das gewähre euch der dreifaltige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist."4
Zum Trauungssegen für die Neuvermählten siehe entsprechenden Artikel.

Der Autor Franz-Adolf Kleinrahm ist Diakon und leitet mit seiner Frau Angelika die katholische Gemeinschaft "Familien mit Christus" und das von dieser getragene Geistliche Familienzentrum in Heiligenbrunn, Diözese Regensburg.

Fußnoten:
1 Päpstlicher Rat für die Familie, Die Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe, 13.5.1996. Bezugsadresse dieses Dokumentes aus der Reihe "Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls", Nr. 127: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstr. 163, 53113 Bonn (Einzelbezug kostenlos).
2 Die Erwartungen werden jäh gebremst, liest man den letzten Satz des Abschnittes über die Vorbereitung in Familiaris consortio, Nr. 66: "Obgleich die verpflichtende Notwendigkeit einer solchen unmittelbaren Ehevorbereitung nicht unterbewertet werden darf - und das würde sicher geschehen, wenn man allzuleicht davon befreien würde -, so muß doch diese Vorbereitung immer in solcher Weise empfohlen und durchgeführt werden, daß ihr eventuelles Fehlen kein Hindernis für die Trauung darstellt." Ein Gemeindepfarrer setzt sich mit der Kluft in der Sakramentenpraxis auseinander, der Kluft zwischen dem gottgefälligen Konzept eines Ehekatechumenates, von dem hier die Rede ist, und der Frage nach der Verbindlichkeit einer solchen Ehevorbereitung für die Zulassung zur Trauung: "Der nicht lösbare Konflikt. Einerseits will und muß die Kirche den Menschen klar machen, daß man ohne eine feste Bindung an Christus keine christliche Ehe führen kann, doch soll dies durch ein letztendlich unverbindliches Angebot möglich werden." Kurt Gartner, Lieber Bruder Bischof. Briefe eines Pfarrers zur Reform der Gemeindepastoral, Freiburg 1989, S. 168 - 186. hier S. 173.
3 SADE gibt es in Deutschland seit 1987 in der Diözese Fulda. Info: Pfr. Heribert Sauerbier, Schlehenweg 11, D-37269 Eschwege.
4 Benediktionale, Segnungsbuch der katholischen Kirche, Freiburg 1981, S. 245ff.

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Familien mit Christus, Heiligenbrunn, D-84098 Hohenthann, Tel. 08784-278, Fax 08784-771, info@familienmitchristus.de