Franz-Adolf Kleinrahm

Trauungssegen

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Teil einer jeden christlichen Trauung ist der Trauungssegen - Gottes wohltuende Zusage, mit seinem Schutz und seiner Fürsorge zu einem Paar zu stehen. Was im festlich-bewegten Moment der Eheschließung für die beiden aufgeregten Brautleute manchmal fast untergeht, hat eine tiefe Bedeutung für uns: Gott, der Liebe, Ehe und treues Zueinanderstehen "erfunden" hat, will uns mit seiner Kraft und Fürsorge nicht verlassen. Wir selbst sind es, die ihn und seine guten Gebote für unser Leben in Krisen leider oft aus dem Blick verlieren. 
Deswegen kann es gerade in den Durststrecken des Lebens, in Ehekrisen hilfreich und neu ermutigend sein, sich an den am Ehebeginn in der Gemeinde über dem Paar ausgesprochenen Segen zu erinnern. In einigen Konfessionen sind Brautsegen in Handbüchern für Amtshandlungen, in "Ritualen" bzw. "Agenden" ausformuliert. Hier wird eine Auswahl dieses spezifischen Beitrages der Kirchen zur Eheschließung dargelegt. Den damals zugesagten Segen in schwierigen Zeiten nochmals zu studieren und auf sich wirken zu lassen, kann wie Balsam für die Seele wirken. 

Jüdisch

Schon im Alten Testament wird vom Segen des Brautpaares gesprochen, z.B. in der Eheanbahnungsgeschichte von Tobias und Sara (Tobit 7,13; 2. Jh. v. Chr.). Ein spätjüdischer Hochzeitssegen ist uns von Rab Jehuda (+299) überliefert, durchgängig eine Lobpreisung: "Gepriesen bist Du, Jahve, unser Gott, König der Welt, der alles zu seiner Ehre geschaffen, und Bildner des Menschen ... Erfreue mit großer Freude dieses geliebte Paar, wie du dein Gebilde im Garten Eden vor alters erfreut hast. Gepriesen bist du, Jahve, der Bräutigam und Braut erfreut! Gepriesen bist du, Jahve, unser König, König der Welt, der Wonne und Freude, Bräutigam und Braut, Frohlocken, Jubel, Fröhlichkeit, Frohsinn, Liebe und Brüderlichkeit und Eintracht und Freundschaft geschaffen hat. Eilends, Jahve, unser Gott, möge in den Städten Judas und in den Gassen Jerusalems gehört werden die Stimme der Wonne und die Stimme der Freude, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut, die Stimme des Jauchzens der Bräutigame aus ihrem Brautgemach und die der Jünglinge von ihrem Hochzeitsmahl."
Dieser Segen spricht in ungetrübter Lebensfreude auch vom Innenraum ehelichen Lebens. Von Tobias und Sara wissen wir, daß sie das Segensgebet weiterführen in ihrem ehelichen Gebet am Beginn der Hochzeitsnacht (Tobit 8,4-8). Sie stellen sich gemeinsam unter Gottes Gnade. So wird die Gegenwart Gottes für sie fruchtbar.

In den Segnungen wird deutlich, daß Gott, daß seine Kirche diese beiden, die heiraten, nicht allein läßt, sondern zu ihrem Heil seine Hilfe, seine überströmende Liebe, seinen Segen anbietet. Aufgabe der Brautleute ist es, sich je persönlich Gott anzuvertrauen und gemeinsam seine Zuwendung immer neu anzunehmen und sich gegenseitig zu vermitteln, schließlich sind sie Geschenk Gottes füreinander.
Beim Lesen und Meditieren dieser Segnungen entschieden die zugesagte Zuwendung Gottes nochmals anzunehmen, kann die "Gnade Gottes wieder entfachen" (2 Tim 1,6). Ich empfehle, diese Traditionen für sich persönlich zu erschließen. Es geht um ein "Verkosten" der guten Zusagen über unserem Leben von innen her.

Orthodox

Die ausführlichsten Segenstexte fand ich in der orthodoxen Trauung. Gott wird gebeten, das Brautpaar den heiligen Ehepaaren aus den Vorfahren Christi an die Seite zu stellen und ihm denselben Segen zu geben. Die im Gebet erwähnten Personen und Ereignisse bezeugen, daß Gott seinem Volk treu bleibt und Grund jeder ehelichen Treue ist. Der hier gewählte Ausschnitt erfleht Gottes Segen in Form einer Litanei. "Segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Abraham und Sara gesegnet hast; segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Isaak und Rebekka gesegnet hast; segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Jakob und alle Stammväter gesegnet hast; segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Joseph und Asenat gesegnet hast; segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Mose und Zippora gesegnet hast; segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Joachim und Anna gesegnet hast; segne sie, Herr, unser Gott, wie Du Zacharias und Elisabeth gesegnet hast.
Behüte sie, Herr unser Gott, wie Du Noach in der Arche behütet hast; behüte sie, Herr unser Gott, wie Du Jona im Bauche des Wals behütet hast; behüte sie, Herr unser Gott, wie Du die drei heiligen Jünglinge vor dem Feuer behütet und ihnen Tau vom Himmel herabgesandt hast. ... Denn Dir gebührt aller Ruhm, alle Ehre und Anbetung, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit."

Ähnlich heißt es in einem mittelalterlichen Gebet aus Spanien (8. bis 11. Jh.). "Gewähre dieser deiner Dienerin N., daß sie sich mit der liebenden Anhänglichkeit Saras bekleidet, mit der Weisheit Rebekkas, der Liebe Rachels, mit der Anmut und der Keuschheit Susannas. ... Dein Segen, Herr, und das Geschenk deiner Gnade komme auf diese Deine Diener N.N. herab, so wie der Tau und Regen auf das Angesicht der Erde herabkommen. Auf daß dein Segen ihre Herzen und ihre Leiber in Fülle umströme, so wie sie die Berührung deiner Hand verspüren, und durch die Berührung des Heiligen Geistes die ewig dauernde Freude empfangen."

Evangelisch

"Der Herr, unser Gott, segne euren Bund und behüte euren Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit." (Ps 121,8) Dies ist die Ehebestätigung unter Handauflegung nach der Agende für evangelisch-reformierte Gemeinden der Lippischen Landeskirche. (In den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands gelten neun verschiedene Trauliturgien.) In der anschließenden Fürbitte heißt es "Herr, unser Gott! Blicke gnädig auf diese Eheleute, die einen christlichen Ehebund nach Deinem Wort geschlossen haben. Führe sie auf rechter Straße um Deines Namens willen und begleite sie mit Deinem Wort, daß sie je länger je mehr als dankbare Glieder Deiner Gemeinde leben." Als Segenswort bei der Feier eines Ehejubiläums wird in dieser Agende angeboten "Der barmherzige Gott und Vater, der euch bis hierher geholfen, euch gnädig erhalten und geleitet hat, verleihe euch auch ferner seinen Schutz und Segen. Er lasse eure Herzen in Treue verbunden sein bis ans Ende." 
In einem Kirchenlied von Paul Gerhardt (gest. 1676) zur Trauung heißt es: "Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn und gleichgesinnt zusammengehen im Bunde reiner Treue, da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, da sieht man, wie der Engel Schar im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, kein Wurm kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott sendet dem Paar, das an ihn sich wendet." 

Brautpaaren in evangelisch-lutherischen Gemeinden werden drei Formen der Segnung angeboten: Gebet unter Handauflegung, Gebet mit abschließender Segensformel unter Handauflegung durch den Pfarrer, entfalteter Segen unter Beteiligung von Freunden und Bekannten des Paares. Bei der ersten Form heißt es in der Agende: "Gott, unser Vater, du willst, daß Mann und Frau in der Ehe eins werden. Wir bitten dich für N. und N.N.: Gib ihnen den Heiligen Geist, daß sie ihr gemeinsames Leben nach deinem Willen gestalten. Schenke ihnen festen Glauben, beständige Liebe, unbeirrbare Hoffnung. Segne sie, daß sie einander lieben und gemeinsam dich loben. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn." 
Bei der entfalteten Form können die beteiligten Eltern, Paten, Geschwister, Verwandte, Kirchenvorsteher und andere Gemeindemitglieder frei formulieren oder aus zur Auswahl angebotenen Segensworten wählen: "Gott erhalte euch die Gesundheit und die Freude am Leben. Gott schenke euch allezeit gute Freunde. Gott lasse eure Arbeit gelingen. Gott gebe euch ein offenes Herz für Menschen, die eure Hilfe brauchen. Gott erhalte euch in der Gemeinschaft der Kirche. Gott helfe euch, im Gespräch zu bleiben: miteinander und mit anderen Menschen." 
Ein ausführlicher Segen wird unter "Texte zur Auswahl" angeboten. "Gott, unser Vater, Schöpfer der Welt. Du hast Mann und Frau nach deinem Bild erschaffen und ihre Gemeinschaft gesegnet. Ihr Bund soll ein Abbild des Bundes sein, den du mit deinem Volk geschlossen und immer wieder erneuert hast. Ihre Liebe sei ein Gleichnis der Liebe, die deinen Sohn mit seiner Gemeinde verbindet. Wir bitten dich für diese Eheleute: Gewähre ihnen die Fülle deines Segens, damit ihre Liebe wachse und reife. Hilf, daß sie sich gegenseitig im Glauben stärken, in Treue zusammenstehen, Freude und Leid miteinander teilen. Gib, daß sie an frohen Tagen dich loben, in schweren Zeiten bei dir Hilfe suchen, bei all ihrem Tun deine Nähe spüren, in der Gemeinschaft der Kirche bleiben und in der Welt deine Zeugen werden. Laß sie in Gesundheit alt werden und mit ihren Angehörigen und Freunden in dein himmlisches Reich gelangen."

Auch bei den großen Gedenktagen für eine Ehe - der Silberhochzeit oder der goldenen Hochzeit - wird in vielen Gemeinden noch einmal feierlich der Segen über den beiden Eheleuten bekräftigt und für die gemeinsame Zeit gedankt. Bei solch einem Gedenktag gibt es verschiedene Segensgebete, zu dem das Ehepaar zu den Stufen des Altares vortreten kann. Bei einem Vorschlag sprechen die Ehepartner abwechselnd: "Allmächtiger, treuer Gott, du hast Großes an uns getan; du hast uns wunderbar geführt und uns über Bitten und Verstehen gesegnet. Wir danken dir für alle deine Güte. Vergib uns, was wir aneinander versäumt haben. Stärke und erneuere unsere Liebe. Laß uns alle Zeit darauf bedacht bleiben, einander zu helfen auf dem Weg zum ewigen Heil." 

Katholisch

In der Segnung heißt es in der katholischen Kirche "...sie sollen einander unzertrennliche Gefährten und Helfer sein, so daß sie nicht mehr zwei sind, sondern ein Leib, ein Herz und eine Seele. Verbinde sie in Eintracht und aufrichtiger Liebe zur ehelichen Gemeinschaft. Deine Gnade bewirke, daß sie sich gegenseitig im Glauben stärken, einander deine Liebe bezeugen, in Treue zusammenstehen, Freude und Leid teilen und miteinander glücklich werden."
"Wir preisen dich, Gott, unser Herr, denn du hast dir ein Volk erwählt und bist ihm in Treue verbunden; du hast die Ehe zum Abbild deines Bundes erhoben. Dein Volk hat die Treue gebrochen, doch du hast es nicht verstoßen. Den Bund hast du in Jesus Christus erneuert und in seiner Hingabe am Kreuz für immer besiegelt. Die Gemeinschaft von Mann und Frau hast du so zu einer neuen Würde erhoben und die Ehe als Bund der Liebe und als Quelle des Lebens vollendet. Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander ertragen und verzeihen, wird deine Treue uns sichtbar."
"Blicke gütig auf diese Brautleute, die ihre Ehe deinem Schutz unterstellen. Sende ihnen deinen Heiligen Geist, daß er ihre Herzen mit Liebe erfülle und sie stärke in der Treue zueinander. Schenke der Braut die Gabe der Liebe und des Friedens und reihe sie ein in die Schar der heiligen Frauen, deren Lob die Schriften verkünden. Auf sie vertraue das Herz ihres Mannes. Er achte sie als seine Gemahlin, die mit ihm erwählt ist, das Leben in deiner Herrlichkeit zu erlangen. Er schenke ihr seine ganze Liebe, wie Christus der Kirche seine Liebe schenkt. Stärke sie durch die Kraft des Evangeliums zum Zeugnis für Christus."
"Am Ende ihres Lebens führe sie in die Gemeinschaft der Heiligen, zu dem Fest ohne Ende, das du denen bereitest, die dich lieben."

Auch das Glück der Mitmenschen, des sie umgebenden "Wir" ist bereits in dem Segensgebet über dem Brautpaar mit im Blick. "Stärke sie durch die Kraft des Evangeliums zum Zeugnis für Christus. Mache ihr Haus zu einer Stätte des Gebetes, des Gottvertrauens und der Nächstenliebe." Auch an Jahrestagen der Trauung wird im Schlußgebet dies aufgegriffen: "Erhalte diese Eheleute in der Freude und in hochherziger Liebe, mache ihr Haus zu einem Ort des Friedens und zu einer Stätte des Trostes für viele."

In allen Segensgebeten wird die konkrete Lebenssituation im Lichte des Glaubens gedeutet und als Heilshandeln Gottes preisend und bittend proklamiert. Anlaß für die Anbetung Gottes ist, daß sich zwei geeinigt haben, den Entschluß zur Ehe gefaßt haben. Dieses Lebensereignis wird dabei gläubig als Handeln Gottes gedeutet. Die Wundergaben Gottes ("Du bist für mich geschaffen und schenkst dich mir. Ich bin für dich geschaffen und schenke mich dir.") werden in der preisenden Rückgabe an Gott zum gefeierten Ereignis. Die Ehe, welche sich Brautleute einander versprechen, wird im Großen Segensgebet als Sakrament proklamiert. Dies geschieht worthaft im Weihegebet und leiblich zeichenhaft in der Handauflegung bzw. Ausbreitung der Hände über dem Paar durch den im Namen der gottesdienstlichen Versammlung handelnden Vorsteher.

Da wir als Ehepaare Gefährdete sind, da wir für das Gelingen unserer Beziehung auf Gottes Hilfe angewiesen sind, schließe ich mit einem jüdischen Sprichwort aus dem Evangelischen Gesangbuch: "Eine glückliche Ehe ist eine größere Wundertat Gottes als die Teilung des Schilfmeeres."

Der Autor Franz-Adolf Kleinrahm ist Diakon und leitet mit seiner Frau Angelika die katholische Gemeinschaft "Familien mit Christus" und das von dieser getragene Geistliche Familienzentrum in Heiligenbrunn, Diözese Regensburg.

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Familien mit Christus, Heiligenbrunn, D-84098 Hohenthann, Tel. 08784-278, Fax 08784-771, info@familienmitchristus.de